Dünne Brillengläser: hochbrechende Gläser ab welcher Stärke
Sie sitzen vor mir im Beratungsgespräch. Sie schauen auf Ihren aktuellen Brillenpass und sehen Zahlen wie -5,25 oder +4,75 Dioptrien. Dann kommt die Frage, die ich seit Jahrzehnten höre: “Herr Asal, warum sind meine Gläser so dick und wie bekomme ich sie dünner?” Ich erkläre Ihnen das gerne ganz ohne Fachchinesisch. Es geht dabei um den sogenannten Brechungsindex, ein Wert, der bestimmt, wie effizient das Material das Licht bricht.
Was bedeutet der Brechungsindex eigentlich?
Der Brechungsindex beschreibt die Fähigkeit eines Materials, Lichtstrahlen abzulenken. Ein Glas mit einem Index von 1,50 ist Standardmaterial, das wir oft bei einfachen Einstärkengläsern verwenden. Wenn Sie jedoch eine höhere Dioptrienzahl haben, wird dieses Material an den Rändern sehr massiv und schwer. Hochbrechende Gläser nutzen Materialien, die das Licht auf kürzerem Weg ablenken können, weil der Index höher liegt.
Ein höherer Index bedeutet weniger Materialstärke bei gleicher optischer Leistung. Wenn wir über dünne Brillengläser sprechen, meinen wir genau diesen physikalischen Effekt. Ein Glas mit dem Index 1,60 ist bereits deutlich schlanker als die Basisvariante. Werden die Werte extrem, greifen wir zu Index 1,67 oder sogar zum Index 1,74.
| Brechungsindex | Typische Anwendung | Optische Qualität (Abbe-Zahl) |
|---|---|---|
| 1,50 | Kleine Dioptrienwerte / Schutzbrillen | Sehr hoch |
| 1,60 | Mittlere Stärken | Hoch |
| 1,67 | Starke Korrekturen | Mittel |
| 1,74 | Sehr starke Korrekturen | Etwas niedriger |
Die Faustregel für Ihre Dioptrien
Ich sage meinen Kunden oft, dass man nicht blind zum teuersten Glas greifen sollte. Das wäre reine Geldverschwendung, weil der optische Unterschied bei geringen Stärken kaum wahrnehmbar ist. Wenn Sie nur -2,00 Dioptrien haben, reicht ein Index von 1,50 oder 1,60 völlig aus.
Ab einer Stärke von etwa ±3,00 Dioptrien fängt es an, sinnvoll zu werden, einen Index von 1,60 zu wählen. Bei Werten ab ±4,50 Dioptrien empfehle ich meistens den Index 1,67, damit die Gläser nicht zu schwer im Gestell sitzen. Wenn Ihre Refraktion bei über ±6,00 Dioptrien liegt, ist der Index 1,74 oft die einzige Lösung, um eine ästhetische Brille ohne extrem dicke Ränder zu erhalten.
Manchmal reicht ein kleinerer Index aus, obwohl man denkt, man bräuchte das Maximum. Das liegt an der Fassung, die Sie wählen.
Warum die Fassung die Dicke bestimmt
Ein häufiger Fehler ist die Wahl eines viel zu großen Gestells bei hohen Dioptrienwerten. Wenn Sie eine riesige, runde Kunststofffassung wählen, muss das Glas an den äußeren Rändern extrem dick werden, weil die Korrektur dort am stärksten ausschlägt. Ein kleineres, eher ovales oder rechteckiges Gestell reduziert die Glasfläche massiv.
Durch eine kleinere Fassung sparen Sie oft mehr an Glasdicke, als wenn Sie nur auf einen höheren Brechungsindex setzen. Ich habe Kunden, die mit einem Index 1,67 in einer kleinen Fassung besser aussehen als jemand mit einem Index 1,74 in einem riesigen Gestell. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Randstärke des Glases nicht über den Rahmen hinausragt.
Gewicht und die Sache mit den Farbsäumen
Dünnere Gläser sind meist auch leichter. Das erhöht den Tragekomfort spürbar, besonders wenn Sie die Brille den ganzen Tag tragen. Aber Vorsicht: Je höher der Index, desto niedriger ist oft die sogenannte Abbe-Zahl. Die Abbe-Zahl beschreibt, wie stark das Glas das Licht in seine Spektralfarben zerlegt.
Eine niedrige Abbe-Zahl führt zu Farbsäumen an den Rändern des Sichtfeldes. Das bedeutet, Sie sehen beim Schwenken der Augen kurzzeitig Regenbogenfarben. Hochwertige Gläser von Herstellern wie Zeiss oder Rodenstock versuchen diesen Effekt durch moderne Materialmischungen zu minimieren. Dennoch sollten Sie bei sehr hohen Werten wissen, dass die optische Reinheit leicht abnimmt.
In meiner Praxis in Bürstadt messen wir das genau für Sie. Wir schauen uns an, wie Ihr Auge die Lichtbrechung wahrnimmt, bevor wir die Bestellung auslösen.
Häufige Fragen
Frage: Brauche ich wirklich den Index 1.74?
Das hängt ganz von Ihrer Dioptrienzahl ab. Wenn Sie unter -5,00 Dioptrien liegen, ist der Aufpreis für 1,74 meistens nicht gerechtfertigt, da der optische Gewinn minimal bleibt. Erst bei sehr hohen Werten oder sehr dünnen Metallfassungen lohnt sich dieser Schritt wirklich.
Frage: Werden Gläser bei jeder Stärke automatisch dünn?
Nein, das ist ein Irrtum. Die Dicke hängt von drei Faktoren ab: der Dioptrienzahl, dem Brechungsindex und der Größe der Fassung. Ein hochbrechendes Glas in einem riesigen Rahmen kann trotzdem dicker wirken als ein Standardglas in einem kleinen Rahmen.
Frage: Sind teurere Gläser immer besser?
Nicht zwangsläufig, aber sie bieten oft bessere Beschichtungen. Ein guter Index sorgt für die dünne Form, aber eine hochwertige Entspiegelung von Firmen wie Hoya oder Essilor macht das Sehen erst richtig angenehm. Man bezahlt also für die Kombination aus Materialstärke und Oberflächenqualität.
Frage: Was kostet ein Upgrade auf hochbrechende Gläser?
Die Preise variieren stark je nach Hersteller und gewünschter Zusatzleistung. Ein Wechsel von Index 1,5 auf 1,67 kann den Preis um etwa 120 € bis 250 € erhöhen. Das ist eine Investition in den Komfort und die Optik Ihrer Brille.
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