Multifokale Kontaktlinsen: Gleitsicht ohne Brille
Sie schauen auf das Smartphone und alles verschwimmt. Sie blicken hoch zum Straßenschild und es ist scharf. Das ist die Alterssichtigkeit, die meist ab dem 40. Lebensjahr beginnt. Viele Menschen empfinden das Tragen einer Gleitsichtbrille als störend, weil das Sichtfeld durch die verschiedenen Zonen begrenzt wird.
Multifokale Kontaktlinsen bieten hier eine Alternative. Sie ermöglichen es Ihnen, ohne den Rahmen einer Brille durch den Alltag zu gehen. Das ist ein befreiendes Gefühl.
Wie funktionieren diese Gläser auf dem Auge?
Bei einer herkömmlichen Brille haben Sie klare Zonen für die Ferne und die Nähe. Bei Kontaktlinsen ist das anders, da die Linse direkt auf der Hornhaut sitzt. Die Technologie hinter Gleitsicht-Kontaktlinsen nutzt verschiedene Zonen innerhalb einer einzigen Linse. Diese Zonen sind entweder konzentrisch angeordnet oder sie liegen nebeneinander.
Ihr Auge bewegt sich ständig. Während Sie in die Ferne schauen, nutzt Ihr Auge den Bereich mit der geringeren Dioptrien-Zahl. Wenn Sie dann ein Buch lesen wollen, übernimmt das Gehirn die Arbeit. Es wählt aus den verschiedenen Bereichen der Linse die passende Stärke aus, obwohl die Linse selbst gar nicht zwischen den Werten hin- und herschaltet.
Das Gehirn lernt diesen Prozess. Es braucht Zeit, um die Unschärfe in den Randbereichen zu ignorieren. Diese Gewöhnung dauert oft 2 bis 3 Wochen.
Die Grenzen der Technik
Nicht jeder Nutzer ist für diese Art der Korrektur geeignet. Wenn Sie eine sehr starke Korrektur für die Nähe benötigen, stoßen mehrstärken kontaktlinsen an ihre physikalischen Grenzen. Ein sehr kleiner Druck beim Lesen von winzigen Zahlen auf einem Etikett bleibt schwierig. Sie werden kleine Kompromisse bei der maximalen Schärfe in der Nähe eingehen müssen.
Die optische Qualität ist hoch. Hersteller wie Zeiss oder Alcon fertigen Linsen mit präzisen Brechungsindizes. Dennoch ist das Sehbild nicht so perfekt wie bei einer maßgefertigten Gleitsichtbrille von Rodenstock.
| Merkmal | Gleitsichtbrille | Multifokale Kontaktlinsen |
|---|---|---|
| Sichtfeld | Sehr groß und stabil | Eingeschränkt durch Pupillengröße |
| Anpassung | Sofort einsatzbereit | Gewöhnung nötig (Wochen) |
| Ästhetik | Sichtbares Gestell | Unsichtbar am Auge |
| Kosten (ca.) | 350 € bis 800 € | 60 € bis 120 € pro Paar/Monat |
Die Bedeutung der Refraktion
Eine präzise Refraktion ist das Fundament. Wenn die Werte für die Ferne und die Nähe nicht exakt stimmen, wird das Gehirn den Prozess der Anpassung verweigern. Ich habe in meinen 47 Jahren im Handwerk erlebt, dass oft schon eine Abweichung von 0,25 Dioptrien darüber entscheidet, ob ein Kunde mit den Linsen glücklich ist oder sie nach drei Tagen wieder in die Schublade legt.
Ein wichtiger Faktor ist die Pupillengröße bei unterschiedlichem Licht. In der Dämmerung wird die Pupille größer. Dadurch werden mehr Zonen der Linse gleichzeitig sichtbar. Das kann die Schärfe beeinflussen.
Der Weg zur richtigen Linse
Sie sollten niemals einfach eine Packung im Internet bestellen. Die Anatomie Ihres Auges ist so individuell wie Ihr Fingerabdruck. Eine Kontaktlinse muss perfekt auf die Krümmung Ihrer Hornhaut passen, damit der Sauerstoffgehalt hoch bleibt.
Ein Probetragen ist Pflicht. Wir machen das in Bürstadt oft so, dass Sie die Linsen erst einmal für ein paar Stunden im Geschäft tragen. Erst wenn wir sehen, wie Ihr Auge reagiert, kann eine Empfehlung ausgesprochen werden. Eine endgültige Entscheidung erfolgt erst nach einer genauen Messung bei uns in der Praxis, da wir die Tränenfilmqualität und die Hornhautkrümmung genau prüfen müssen.
Manchmal ist die Antwort auch: “Nein, das passt nicht.” Das ist kein Scheitern. Es bedeutet nur, dass Ihre Augen eine andere Lösung brauchen.
Häufige Fragen
Frage: Funktioniert das wirklich für den Alltag?
Ja, es funktioniert für die meisten Menschen gut. Sie können Autofahren, Sport treiben und Gespräche führen, ohne ständig die Brille auf- oder abzusetzen. Wer jedoch den ganzen Tag intensiv am Computer arbeitet, wird oft feststellen, dass eine Brille für die mittlere Distanz komfortabler bleibt.
Frage: Für wen sind diese Linsen ungeeignet?
Menschen mit sehr instabilen Augenwerten oder schweren Augenerkrankungen wie einem fortgeschrittenen Grauen Star sollten vorsichtig sein. Auch wenn Sie extrem hohe Dioptrien-Werte haben, die nur in der Nähe benötigt werden, ist die Linse oft nicht präzise genug. In solchen Fällen ist eine klassische Brille die bessere Wahl.
Frage: Brauche ich trotzdem noch eine Brille?
In vielen Fällen ja. Viele Kunden nutzen die Kontaktlinsen für den aktiven Tag und haben für das abendliche Lesen oder für spezielle Arbeiten eine Lesebrille griffbereit. Das ist eine sehr praktische Kombination, um die Freiheit der Linsen mit der maximalen Schärfe einer Brille zu verbinden.
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